Motorrad - Frankreich 2016

Inhalt:
Anfahrt durch Deutschland
Weiter nach Frankreich
... bis kurz vor die Schweiz
Erst jetzt auf der Route
Burgen in Briançon
Zur haute volée nach Cannes
Gute Luft in Grasse und am Lac de Sainte Croix
Zügige Rückreise
Resümee: Land, Leute, Küche

Wo kann man schönes Motorradfahren mit gutem Essen verbinden? Richtig, auf der Route des Grandes Alpes. Auf dieser Route waren wir vor 12 Jahren schon einmal unterwegs und hatten nur die besten Erinnerungen. Also machten wir uns auf, noch vor der großen Reisewelle, aber nach dem Abtauen der Gipfel, den Weg nach Süden zu suchen.

Anfahrt durch Deutschland

Verwandtenbesuche führten uns von Zuhause in den Odenwald. Eine schöne Ecke zum Motorradfahren, aber die hohe Siedlungsdichte und der damit verbundene intensive Verkehr setzt den Motoradambitionen enge Grenzen. Wir wollten weiter nach Süden, aber die Route des Grandes Alpes ist vom Odenwald aus nicht in einem Tag erreichbar. Sie beginnt am Genfer See. Bis dahin ist es ein langes Stück Autobahn, oder eben mehrere Etappen über die Landstraße.

Wir zogen natürlich die Landstraße vor. Unser Zwischenziel sollte der Gasthof "Zum Schützen" in Bad Peterstal/Griesbach im Schwarzwald sein. Hier hatten wir vor 16 Jahren mal 2 Wochen im Regen verbracht, in denen uns der Wirt Markus Falk sehr zuvorkommend beköstigte - Jutta lernte dort Spätzle schaben. Aber leider hatte uns einerseits der Regen wieder - ein gewaltiges Gewitter erwischte uns 10 km vor der Ankunft, und andererseits war der Schütze - offenbar Dank der hervorragenden Reputation - bis auf das letzte Zimmer ausgebucht. Beim "Hirschen" im gleichen Ort kamen wir aber ebenfalls recht gut unter. Juttas Bedenken wegen des "hundefreundlichen Hotels" zerstreuten sich schnell, denn die Vierbeiner waren allesamt sehr friedlich und unkompliziert.

Weiter nach Frankreich

Dennoch zog es uns am nächsten Morgen natürlich weiter - und zwar ins Elsaß. Auf dem Weg zu einem Hotel, das wir ebenfalls schon einmal schätzen gelernt hatten, machten wir einen Abstecher zur Feste Kaiser Wilhelm IIbei Mutzig, einem Ort im Elsaß. Wir erfuhren bei der 2,5 stündigen deutschsprachigen Führung durch und über das Bauwerk viel über die Entstehungsgeschichte sowie über das Verhältnis von Deutschen und Franzosen vor unserer Zeit. Nochmehr als die Anlage waren die Erläuterungen der jungen französischen Führerin über Zeit und Umstände beeindruckend. Wer in der Gegend ist, sollte sich diese Führung nicht entgehen lassen. Am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf zur nächsten Unterkunft.

Auch das Relais du Ried erreichten wir erst nach Durchquerung eines ausgedehnten Starkregengebietes, aber diesmal hatten wir die Regenkombis an. Das erste französische Abendmenue war erwartungsgemäß sehr lecker und es stellte sich eine intensive Vorfreude auf die weiteren Urlaubsessen ein. Den nächsten Tag begannen wir dann bei bestem Wetter und meisterten bei diesem dem "Col de la Schlucht" - dort war dann auch eine echte französische Rast mit Baguette und Cafe au lait angesagt.

... bis kurz vor die Schweiz

Weiter ging es über Belfort bis kurz vor die Schweizer Grenze zum Lac Saint Point bei Pontarlier. Die Schweiz zu durchfahren macht keinen Spaß. Die rigide Verkehrsüberwachung, die hohe Besiedlungsdichte mit den vielen Ortsdurchfahrten, die prohibitive Autobahnvignette sowie das hohe Preisniveau sorgen dafür, dass wir die Schweiz so gut wie möglich umgehen. Sollte das Umgehen bzw. Umfahren zu aufwendig sein, so suchen wir uns den kürzesten Weg. So war die letze Station vor der Schweiz eben kurz nördlich des Genfer Sees, so dass wir am nächsten Tag problemlos ohne Übernachtung durchrauschen - oder durchzuckeln - konnten. Der Ort Malbuisson war nicht schlecht gewählt, denn er lag malerisch an einem kleinen See. Außerdem war die Küche im Hotel du Lac hervorragend. Vom üppigen Nachspeisenwagen träumt Jutta heute noch.

Dennoch zog es uns weiter, nun auf dem kürzesten Weg um den Genfer See herum auf die Südseite nach Frankreich. Dass in Evian-les-Bains die Nationalelf bei der Europameisterschaft unterkam, hat uns glücklicherweise nicht behindert. Im ortsansässigen Supermarkt deckten wir uns mit Baguette, Käse und Schinken ein, das wir dann auf der ersten Etappe der nun beginnenden Route des Grand Alpes verzehrten.

Erst jetzt auf der Route

Auf dem Weg vom Genfer See nach Albertville - da mußten wir natürlich durch - kamen wir über den zweiten höheren Paß auf unserer Reise. Der Col des Aravis liegt auf etwa 1500 m. Nicht allzu hoch, aber dennoch ganz angenehm, denn seit 2 Tagen hatten wir reichlich Sonnenschein und die Temperaturen fingen an zu steigen. Da waren 1500 Höhenmeter schon ganz angenehm. wieder im Tal fanden wir dann in Albertville eine kleine Pension, die einen kleinen Garten zum "Public EM-viewing" nutzte. Public war hier natürlich nur für Gäste und Freunde. Nach einer leckeren Flasche Rosé von der "Küste der Rhone" entschieden wir uns aber, das Abendessen drinnen zu nehmen. Dort waren wir zwar die einzigen Gäste, saßen dafür aber auch warm und trocken - denn abends kam wieder Regen.

Der nächste Morgen wirkte nicht sehr einladend und wir beschlossen, zunächst die Regenkombis anzuziehen. Nach einer kurzen Schnellstraßenetappe wurde es aber trockener und wärmer und wir konnten in normaler Motorradkleidung den ersten richtig hohen Pass, den Col de la Madelaine mit ca. 2000 m erklimmen. Weiter ging es dann über den Col du Galibier mit ca. 2600 m nach Briançon.

Burgen in Briançon

In Briançon wählten wir ein großes Hotel, das etwas mehr Raum im Zimmer und etwas mehr Komfort im Bad versprach. Wir fanden es in der Stadtmitte und genossen sogar den Luxus einer Garage für unsere Moppis. Aufgrund des nun stattliche Alters, der hohen Kilometerleistung und des nicht mehr perfekten optischen Zustandes hatten wir bisher allerdings nie Sorge um die Maschinen gehabt - zumal die Unterkünfte auch immer in ordentlicher Umgebung lagen.

In Briançon besichtigen wir die am Berg liegende Altstadt sowie die alte Festung, geplant vom Baumeister Vauban. Das Fort des Tétes sparten wir uns, denn das hätte nochmals einige Stunden und jede Menge Höhenmeter zu Fuß gekostet. Stattdessen suchten wir ein gemütliches Restaurant, was wir erwartungsgemäß auch bald fanden. Hier probierte Jutta dann als Vorspeise Schnecken und Albert hatte als Hauptspeise einen Tartar aus Rindfleisch - erstere war beabsichtigt, letztere war eine Fehlinterpretation der französischen Speisekarte. Beides haben wir aber gut vertragen.

Zur haute volée nach Cannes

Das Wetter sollte in den folgenden Tagen im Alpenraum feuchter werden, und so beschlossen wir, uns auf den Weg zum Mittelmeer zu machen. Uns trieb es über den Col de Izoard, Col de Vars und den Col de la Cayolle nach Cannes. Im Hinterland von Cannes eine ansprechende Unterkunft mit Restaurant zu finden war nicht so einfach, und so suchten wir Hotels in Cannes mit Abstellplatz für Motorräder. Das war gar nicht so schwierig, denn wir waren noch vor jeder Reisewelle unterwegs. So programmierten wir den Navi mit drei Hotels der relevanten Angebots- und Preisklasse und fuhren nach Cannes rein. Das erste Hotel war ein Reinfall, denn die Rezeptionistin wollte sich nicht auf den Preis bei booking.com einlassen und hat auch den Stellplatz verweigert. Aber bereits im zweiten wurden wir für drei Nächte - unter der Woche versteht sich - preiswert, aber nicht billig aufgenommen.

Da wir Sonntag abend ankamen, konnten wir abends noch ein bißchen den Glamour von Cannes "genießen": also aufgetakeltes und überdrehtes Volk. Wochentags war schon ein deutlich anderes - normaleres - Publikum unterwegs. Binsenweisheit zum Essen gehen: am besten, man hält sich von den Haupttouristentrassen fern. Wir fanden ein recht solides Restaurant im "La Cave", inhabergeführt mit bodenständiger Speisekarte und ein etwas schickeres im "Antidot" - beide in Seitenstraßen. Bei der Gelegeneheit ein Wort zu Essenspreisen: man kann in Frankreich nahezu überall für das gleiche Geld weitaus besser Essen als in Deutschland. Ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis bekommt man bei 3-Gänge-Menüs für 25-45 Euro. Die Weinpreise liegen dann in gleicher Region, d.h. die Flasche für 25-45 Euro.

Gute Luft in Grasse und am Lac de Sainte Croix

Den folgenden Tag haben wir genutzt, um die Parfümstadt Grasse zu erkunden. Ein Flop war eine kostenlose Führung durch einen Parfümeriebetrieb: die Führung war oberflächlich und endete in einer Verkaufsveranstaltung. Deutlich mehr gab das Parfümeriemuseum her - das war dann natürlich nicht kostenlos, aber sehr reichhaltig, was Ausstellungsstücke, Erläuterungen und Duftproben anging. Ebenfalls abseits der Touristenströme kann man auch in Grasse gut essen und trinken - wir tranken übrigens Cidre in einem bretonischen Bistro. Eine kurze Motorradtour durch das Umland verschaffte nicht die erwartete Befriedigung, denn aufgrund der hohen Besiedlungsdichte zuckelt man nur von Ort zu Ort.

Also fuhren wir am nächsten Tag etwas weiter - in Richtung Grand Canyon du Verdon. Um den riesigen Truppenübungsplatz fuhren wir eine Runde von Süden kommend und - entgegen der Tour vor Jahren - blieben wir auch am Canyon auf der Südseite. Der Canyon wirkt, vom See her kommend auf der Südseite, nicht so dramatisch wie von der Nordseite. Dafür ist die Straße aber auch deutlich weniger befahren und läßt sich entspannter genießen. Der weite Schlag aus Cannes heraus hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn die Atmosphäre ist dort natürlich eine komplett andere als am Mittelmeer - und auch nicht so schwül.

Zügige Rückreise

Der abendliche und morgendliche Blick auf die Wetterkarte versprach in den folgenden Tagen nichts Gutes. Entweder wurde man direkt auf der Route des Grandes Alpes naß, oder man fuhr in Italien noch trocken, kam dann aber nicht mehr gut über die Alpen - für einen Pass in der Schweiz gab es sogar die Schneekettenpflicht. Auch die "Route Napoleon" wäre keine Alternative gewesen. Wir entschlossen uns also schweren Herzens, die Heimreise über die Autobahn anzutreten. Gut 1100 km waren zu meistern, aber weil wir ausgeruht waren und das Fahren auf französischen Autobahnen sehr entspannt ist, schafften wir die Strecken bequem in gut 13 Stunden.

Resümee: Land, Leute, Küche

Auch dieses Mal wurden wir nicht von Frankreich, den Franzosen und vor allem nicht von der französischen Küche enttäuscht.

In Frankreich läßt es sich wunderbar Motorrad fahren, wenn man touristisch, das heißt nicht rasend, unterwegs ist. Das liegt daran, dass Frankreich die meisten Straßenkilometer pro Einwohner hat - und die meisten dieser Straßen sind schnuckelige kleine Landstraßen. Also genau das richtige, um Landschaft und Kurven zu genießen. Umgekehrt gestatten die mautpflichtigen Autobahnen eine entspannte An- bzw. Abreise, da dort sehr entspannt und stauarm gefahren werden kann.

Aber was wäre das Land ohne die freundlichen hilfsbereiten - und bisweilen auch deutsch sprechenden - Franzosen? Das Bild vom Erbfeind ist längst Geschichte, moderne Menschen mit sehr ähnlichen europäischen Vorstellungen und Neugier für die Kultur und Erungenschaft des jeweils anderen Landes sind die Regel. Wir fühlten uns immer "zu Gast bei Freunden".

Und immer wieder müssen wir feststellen, dass wir nirgends auf der Welt regelmäßig so gut und anspruchsvoll gegessen und getrunken haben wie in Frankreich. Selbst in einfachen Restaurants dort sind die Speisen anspruchsvoller zubereitet und dargeboten als in Deutschland in mittelpreisigen Restaurants. Man könnte den Eindruck gewinnen, daß sich hier das Gastgewerbe einfach nicht anstrengen muß weil sich der deutsche Gast schon mit wenig zufrieden gibt.
Schade, denn Frankreich beweist, das Essen nicht in erster Linie "satt-machen" bedeuten muß, sondern ein Teil Lebensqualität sein kann.

Friedenseiche
Bunkergang
Telefonvermittlung
Kolben
Kanonentürme
Lac Saint Point
Tricolore
Schwäne tauchend
Abendstimmung
Blüten Genfer See
Landschaft
Handwerkerzeug
Morgennebel
Panorama Col de la Madelaine
Col de la Madelaine
Bergdorf
Landschaft
Albert
Jutta
Col du Galibier
Briancon
Briancon
Festung
lecker Schnecken
Jutta
Gipfelpause
Jutta Col de la Cayolle
Mittagsruhe
Speisekarte prüfen
Cannes Burg
Grasse
Albert Museum
Cidre
Cannes
Cannes
Cannes
Hinterland
Mittagspause
Albert Jutta
Canyon du Verdon
 
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