Pedelec - Beweggründe

"Ab einem gewissen Alter braucht man das."
schrieb die Tage eine liebe Person als Kommentar in Facebook zum e-bike-Posting.

Wir sind seit ein paar Wochen stolze Besitzer von Pedelecs.

Inhalt:
Begriffsbestimmung
Wozu?
Fahrerlebnis
Fahrstufen
Bedrohungspotential
Hybridantrieb

Begriffsbestimmung

Pedelecs sind Fahrräder mit Hilfsmotor, die ohne Führerschein und ohne Zulassung gefahren werden dürfen. Der Motor darf nicht mehr als 250 Watt Leistung abgeben. Er darf nur unterstützen, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, muß aber abschalten, wenn die Geschwindigkeit 25km/h erreicht.

Auch eine Schiebehilfe ist erlaubt. Wer schon mal ein vollgepacktes Rad die Tiefgarage hochgeschoben hat, der weiß wie praktisch das sein kann.

Wozu?

Jeder Pedelec-Käufer hat seinen persönlichen Grund, unserer ist folgender: Dort wo wir wohnen, sind rundrum Berge. Wir fahren gerne Rad, aber wir wollen uns nicht "totmachen" beim Radfahren. Wir sind raus aus dem Alter, in dem man sich beweisen muß. Wir können jetzt wie früher, als wir noch im Flachland wohnten, mal eine Runde um dem Block drehen, ohne danach gleich völlig fertig zu sein.

Fahrerlebnis

"Ist das so wie Gasgeben beim Motorrad" fragte in Freund. Nein, es ist bei Weitem nicht so dynamisch. Ein Pedelec ist in der ersten Stufe wie Rückenwind und danach wie ein großer Bruder, der ein bißchen mit anschiebt. Die Pedelecs, die wir haben, steuern nahezu unmerklich Unterstützung zu. Die höchste Stufe der Unterstützung bekommt man sowieso nur, wenn man selbst "wie bescheuert" reintritt.

Das Fahrrad hat sowohl einen Kraft- (Drehmoment an der Tretachse) als auch einen Drehzahlsensor und steuert nur proportional Leistung dazu. Das heißt, daß man ganz sanft anfahren kann, ohne gleich den vollen Elektroschub zu bekommen. Andererseits bekommt nur wer kräftig reintritt auch viel Zusatzleistung. Auch die Abschaltung ist sehr sanft, geradezu unmerklich. Man hat ab 26km/h das Gefühl, es würde auf einmal bergauf gehen.

Fahrstufen

Unsere Pedelecs haben fünf Unterstützungsstufen:

  1. keine Unterstützung (die Automatikschaltung funktioniert trotzdem!)
  2. Eco: bis zu 30% werden zur Fahrerleistung zugesteuert. Ich hab' das fast nicht bemerkt, es ist wie ein leichter Rückenwind, angenehm bei leichten Steigungen
  3. Tour: bis zu 90% der Fahrerleistung werden zugesteuert. Dieser Modus eignet sich für strammen Gegenwind oder sanfte Anstiege (5%)
  4. Sport: bis zu 150% werden zugesteuert. Dieser Modus empfiehlt sich für Steigungen um die 10%, aber Achtung, man muß schon ordentlich reinkacheln, damit man dann über 15km/h kommt.
  5. Turbo: bis zu 200% werden auf die Fahrerleistung addiert. Dieser Modus ist was für gut trainierte Fahrer. Ich hab' es geschafft, an unserem Hausberg (8%) damit auf 25km/h zu kommen (und einen Traktor abzuhängen), aber ich war danach tropfnaß geschwitzt - obwohl es abends um 22:00 Uhr war. Der Turbo-Modus bringt nur dann was, wenn man selbst wie bescheuert reintritt (>125 Watt) - sonst entfaltet sich die Leistung nämlich nicht! Normalerweise reicht also der Tour- oder der Sportmodus.

Hört man bei Unterstützung auf zu treten, so schaltet der Motor sofort ab, und ebenso schnell springt er auch wieder an wenn man weitertritt.

Bedrohungspotential

Mehr als die Hälfte aller PKW-Fahrten sind kürzer als 6 km. Wenn man das weiß und selbst mal mit einem Pedelec Einkaufen gefahren ist, dann erkennt man das Potential dieser Fahrzeuge.

Ob lässig mit großem Einkaufskorb, leicht verschlafen Sonntag morgens die Brötchen geholt, oder unverschwitzt zur Arbeit geradelt: Fahrradfahren verliert den Schreck wenn mal eine Brücke oder ein Berg auf dem Weg liegt. Die laufenden Kosten dieser Beförderung sind minimal - Strom für 50km kostet 10 Cent, das Rad fährt sich völlig unkompliziert, das Parkplatzproblem ist wie weggeblasen und ein gutes Gefühl hat man dazu.

Hybridantrieb

Die Autoindustrie bastelt seit Jahren am Hybridantrieb in tonnenschweren Automobilen. Das ist ungefähr so, wie wenn man einen 12-Zylindermotor in eine Kutsche einbauten wollte - nur eben andersrum. Intelligente Hybridantriebe funktionieren anders: um eine Person in ihrem normalen Wirkungsbereich fortzubewegen, braucht es keine 1500kg Hülle mit 100 PS-Antrieb, es genügt weniger als ein drittel PS - die 250 Watt eines Pedelec-Motors.

Und wie sagte neulich der SWR-Moderator Sascha Zeus zum über Pedelecs lästernden Michael Wirbitzky: "ich bin im vergangenen Jahr mit meinem Pedelec 5000 km gefahren - und wieviele Kilometer bist Du mit deinem normalen Rad gefahren?"

Caprile
Ausfahrt
Heimweg
um den Hohen Meißner
 
Bitte informieren Sie uns, wenn Sie Bilder oder Texte dieser Website zu anderen als privaten Zwecken benutzen möchten. Creative Commons Lizenzvertrag