Pedelec - Mountain Bike

Inhalt:
Der Trend
Auch wir?
Fahrstufen
Wie läufts?
Schutzbleche ...
Fazit
Video eine Runde Nordschleife

Der Trend

Während die angeblich verwirrten Senioren sich offenbar mehrheitlich auf fragilen Tourenrädern in ungeahnte Gefahren der elektrounterstützten Fortbewegung stürzen, macht sich schon wieder ein anderer Trend in Deutschland breit:

Diejenigen, die bereits an der Schwelle des Seniorendaseins stehen, aber keinesfalls zu den ebengenannten hinzugezählt werden möchten, verleihen ihrer Restjugend ein wildes rurales Attribut - sie fahren Mountain-Bike - und zwar ein elektrifiziertes.

So auch wir!

Ich kann das erklären ;-) . Wir wohnen in einer Gegend, in der es reichlich Höhenmeter gibt, aber nur wenige Radwege, die diese wunderschöne Landschaft durchziehen. Mit den elektrifizierten Trecking-Rädern sind wir bislang manchen Feldweg gefahren - bzw. auch geschoben. Geschoben deswegen, weil auf Schotter oder Matsch die schmalen Treckingreifendurchrutschen oder weil die Absturzgefahr doch zu groß war. Also entstand der Wunsch nach einem geländegängigeren Fahrzeug, einem Mountain Bike.

Nein, wir wollen keine Treppen bergab fahren und auch Singletrails schauen wir uns nur gerne auf Youtube an. Wir wollen ganz einfach nur Wald- und Wirtschaftswege fahren ohne Mensch und Material dabei zu ruinieren. So genügt uns ein 'Hardtail', also ein einfaches MTB mit Federgabel aber ansonstem starrem Rahmen.

Da wir bereits Pedelec-Erfahrung hatten, wußten wir, dass wir einen 400 Wh-Akku nur mit Mühe an einem Tag leer fahren würden. 400 Wh sind im Frühjahr 2017 schon Ladenhüter, denn heutzutage sind mindestens 500 Wh angesagt. Und so kamen wir in den Genuß eines Schnäppchens - genauer gesagt zweier Stück.

Fahrstufen

Unsere MTBs haben die gleichen fünf Unterstützungsstufen wie bei den Tourenrädern, es ist die gleiche Elektronik von Bosch. Die Stufen sind allerdings anders abgestimmt, die Werte des Tourenrades stehen in Klammern:

  1. keine Unterstützung
  2. Eco: bis zu 50% (30%) der Fahrerleistung werden zugesteuert.
    Damit komme ich normal-steile Berge gut hoch. Das MTB ist auch fast 5 kg leichter als das Tourenrad, außerdem nimmt man auf dem MTB nicht so viel mit ;-)
  3. Tour: bis zu 120% (90%) der Fahrerleistung werden zugesteuert.
    In diesem Modus komme ich auch steile Berge hoch, bin aber danach auch durchtranspiriert.
  4. Sport: bis zu 190% (150%) werden zugesteuert.
    Wenn es auf ruppigen Pisten steil bergauf geht, ist dieser Modus die letzte Rettung. Aber in dieser Betriebsart rutscht - trotz grobem Profil - schon mal häufiger das Hinterrad durch. Die Balkenanzeige im Display läuft dann auch schon bis Maximum.
  5. Turbo: bis zu 275% (200%) werden auf die Fahrerleistung addiert.
    Ich kann zwischen diesem Modus und dem Sportmodus keinen Unterschied mehr feststellen.

Wie läufts?

MTB-fahren ist etwas grundsätzlich anderes als Fahrrad fahren - wenn es tatsächlich auf rauem Untergrund stattfindet. An der Körperhaltung merkt man schon, dass der Oberkörper erheblich mehr Verantwortung - und Last - tragen muß, als es beim normalen Radeln der Fall ist. In der Praxis sieht das so aus, dass der Oberkörper den vorderen Teil des Rades aktiv auch nach oben und zur Seite bewegen muß, um einerseits den Federweg des Systems Fahrrad-Fahrer zu verlängern und andererseits Hindernisse wie Schlaglöcher oder Äste geschickt zu umfahren.

Die Beine andererseits werden nicht nur für das Kurbeltreten benötigt, sondern dienen ebenfalls als vergrößerter Federweg beim Abwärtsfahren über Schlaglöcher und ähnliches. Man steht beim Abwärtsfahren in grobem Gelände also in den Pedalen. Damit werden ganz neue Muskelpartien für das Trainig erschlossen.

Aber auch für den Kopf ist was dabei. In unruhigem Gelände - und das sind in der Regel die Wald- und Wirtschaftswege - ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Um nicht in ein Schlagloch zu rauschen, einen Stein oder einen Ast zu übersehen, sind die Augen permanent auf den Weg gerichtet - und je schneller die Fahrt, desto konzentrierter. Dabei sollte man nicht nur die nächsten 5 Meter einsehen, sondern auch mal einen Blick auf's Handy-Navi und auf die Umgebung werfen, damit man sich nicht verfährt.

Schutzbleche ...

... sehen am Mountainbike echt doof aus. Und die Klamotten müssen nach der Runde sowieso in die Wäsche, weil sie durchgeschwitzt sind. So war zumindest die Meinung von Jutta.

Bis zu diesem Sonntag, an dem wir eine große Tour mit den normalen Rädern geplant hatten. Leider hat uns das Wetter in Form einer kräftigen Gewitterfront einen Strich durch die Rechnung gemacht: wir blieben zuhause.
Als es dann aber wieder schön wurde, entschieden wir uns kurzfristig für eine kleine Runde um die 4 Ecken - 15 km. Die Runde war ganz angenehm, den Berg hoch mit Blick ins Tal, aber die Abfahrt führte auf einem Weg entlang eines Bachlaufs.

Und dieser war dann doch etwas feucht. Vor allem, wenn man bergab etwas schneller unterwegs ist, spritzt einem der Dreck wirklich überall hin - nicht nur auf den Hintern und den Rücken sondern auch ins Gesicht und sogar auf's Handy am Lenker und auch auf die Optik der GoPro oben auf dem Helm - siehe Foto.

Also fahren wir jetzt mit MTB-Schutzblechen aus Kunststoff. Sieht zwar nicht so toll aus, ist aber erheblich sauberer!

Fazit

Zwei Drittel der Kilometerleistung eines Tourenpedelecs aber 3 mal soviel Spaß. Nach jeder eMTB-Runde kommen wir total geschafft an. Es schmerzen Oberschenkel (Stehen in den Pedalen), Hände (Lenker aktiv führen) und Oberarme (erweiterter Federweg), der eine oder andere blaue Fleck am Schienbein hat sich beim Rangieren ergeben und trotz e-Antrieb sind wir klatschnass geschwitzt.

(e)MTB-fahren in der Natur verbindet die Dynamik der aktiven Bewegung mit dem Naturerlebnis, verbindet die Vorteile des Radfahrens: "viele Eindrücke" mit denen des Wanderns: "Natur erleben und verweilen, wo man möchte", und setzt - was Erlebnisdichte angeht - noch einen drauf. Wer's noch nicht probiert hat, sollte es mal tun.

Eine Runde Nürburgring Nordschleife (groß direkt bei Youtube)

Testfahrt
bergauf
Schotter
ohne Schutzbleche
Platten
Radstehen
Burg Olbrueck
Matschfahrt
Nürburgring Nordschleife
Nürburgring Karussel
Waldweg
 
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