Reisebericht Costa Rica, März 2014

Inhalt:
Moderne Eroberer
Anreise
Natur
Bauminvest
Noch mehr Natur
Meer
Kulinarisches
Toiletten
Fazit
Unser Urlaubsvideo

Moderne Eroberer?

Costa Rica - ein Land voller Versprechen: unberührte Tier- und Pflanzenwelt, warmes Klima, ein Land mit stabiler Demokratie und ohne Armee, über ein Viertel des Staatsgebietes steht unter Naturschutz, über 90% des Energiebedarfs wird aus regenerativen Energiequellen gedeckt, es gibt ein Sozialsystem mit Grundsicherung.

Das alleine wären schon reichlich Gründe, um dort mal Urlaub zu machen und das Land näher kennen zu lernen. Doch der Anlass für unsere Reise war ein anderer: In Costa Rica betreibt Leo Pröstler, der Gründer des Waschbär-Versands, zusammen mit seinem Sohn Stefan eine Initiative um ökologisches Investment. Es geht darum, natur- und sozialverträglich Holzwirtschaft zu betreiben und den Investoren eine ethisch einwandfreie Geldanlage zu ermöglichen - das Projekt Bauminvest.

Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf die Reise, denn wir sind schließlich nicht die ersten Europäer, die mit ihren Segnungen in Mittelamerika einfallen. Unwillkürlich stellt sich die Frage, ob auch wir nur Imperialismus praktizieren, zwar in anderer Form als die Spanier im 16. Jahrhundert und die Amerikaner im 19. Jahrhundert, aber auch wir wollen via Bauminvest mit den Produkten des Landes Geld verdienen - wenn auch ohne Ausbeutung von Mensch und Natur.

Anreise

Die Reise wurde organisiert von avenTOURa einem Experten für Kleingruppenreisen mit Schwerpunkt Südamerika. Die Hoffnung, daß es avenTOURa gelänge, die Reise perfekt zu organisieren wurde nicht enttäuscht. Zwar ist das Land als "Schweiz von Mittelamerika" bekannt, aber dennoch ist vor Ort einiges zu organisieren und der ortansässige Reiseleiter Fritz mit vornehmer österreichischer Zunge war nicht nur in dieser Hinsicht Gold wert.

Wir sind in San José mit dem Flugzeug angekommen. Der Flug mit Iberia von Madrid über den Atlantik ist lange - 11 Stunden. Gefühlt um so länger, als daß die Maschine nicht mit individuellen Bildschirmen ausgestattet war, sondern nur mit wenigen zentralen. Man konnte sich das Unterhaltungsprogramm also nicht aussuchen - beim Nachtflug kein Problem, beim Tagflug schon störend. Außerdem macht so ein Interkontinentalflug natürlich auch ein schlechtes CO2-Gewissen. Da tröstet es ein wenig, daß man über atmosfair einen Emissionsauslgeich kaufen kann. Wie war das noch gleich beim Ablasshandel im 16. Jahrhundert: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer/in den Himmel springt!"

Aber kommen wir zu Costa Rica: San José liegt im sogenannten Zentraltal auf 1100 m Höhe und hat daher trotz der tropischen Lage ein angenehmes Klima - tagsüber warm und nachts kühl - wir saßen ab 22:00 Uhr mit Jäckchen unter den Arkaden - und keine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Wir waren am Ende der Trockenzeit dort, so daß wir auch keine Regenschauer zu befürchten hatten. Der Nordostpassat mit feuchter Atlantikluft bleibt üblicherweise an der Ostflanke der Kordilleren hängen. In San José gibt es außer dem schönsten Bauwerk dort, der Hauptpost, noch einige Museen zu entdecken. Damit ist die Stadt aber auch schon fast erkundet. Zwar hat San José heute fast 300.000 Einwohner, aber dank weniger Hochhäuser gibt es kein Ballungszentrum, sondern alles verteilt sich auf sehr viel Fläche. Außerdem war San José bis in die Neuzeit kein Mittelpunkt im Land, sondern nur ein "Nest" und hat daher kaum historische Bauten - und schon gar keine der spanischen Eroberer.

Natur

Von dort ging es ins Landesinnere: der Vulkan Arenal ist einer der bekannten Ziele, wenn man Nationalparks besucht. Er ist immer noch aktiv, und 2010 floss noch Lava an den Flanken herab. Ein Aufstieg ist daher nicht gestattet. Wir kraxelten auf den 1150 m hohen Cerro Chato - einen friedlichen Nachbarberg - und schwitzen uns zum ersten Male die Seele aus dem Leibe. Der Aufstieg ist zwar ohne alpine Erfahrung machbar, aber so steil, daß man nicht umhin kommt, mehrere Pausen zum Atem holen einzulegen. Diese Pausen kann man nutzen, um quasi ganz nebenbei auch die Tier- und Pflanzenwelt zu bestaunen. Schon beim Frühstück zuvor im Freien beobachteten wir jede Menge Getier: Baumhörnchen, Kolibris und Schmetterlinge leben alle sehr gut von der Blütenpracht, die sich wirklich überschwenglich in Szene setzt.

Neben dem unglaublichen Farbenreichtum und dem tierischen Gewusel um uns herum - alles ist hier etwas größer - ist uns auf der Fahrt auch die andere Seite dieses fruchtbaren Landes entgegengeschlagen: kilometerweit Plantagen in Monokultur von Ananas, Bananen, Kakao, Teak, Ölpalmen - Kaffee gibt's erst in den Höhenlagen. Hier züchten die Landwirte auch viele der Pflanzen, die wir im Baumarkt oder im Gartencenter als Zimmerpflanzen kaufen - ebenfalls in Monokultur: Schefflera, Drachenbaum etc. sieht man auf riesigen Feldern wachsen, bis sie per Schiff zu uns zu gelangen. Umso neugieriger waren wir auf die Fincas, die von Bauminvest bewirtschaftet werden.

Bauminvest

Als gelernter Ingenieur mit einem kleinen Garten am Haus kann ich nicht beurteilen, wie ökologisch und ökonomisch die Bauminvest-Projekte in der gegenwärtigen Phase tatsächlich sind. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist die Intensität, mit der sich insbesondere Stefan Pröstler mit der gesamten Wertschöpfungskette auseinander setzt. Von der Bodenbeurteilung vor dem Landkauf, über die Bodenaufbereitung mittels eigener Regenwürmer zu den Versuchen mit Mischkulturen um sowohl der Umwelt als auch dem Ertrag gerecht zu werden. Die Zusammenarbeit mit Universitäten (Doktoranden vor Ort) und Forschungseinrichtungen (Senckenberg-Museum Frankfurt) lassen hoffen, daß das alles "Hand und Fuß" hat. Auch die Vorarbeiter vor Ort sind sehr engagiert und scheinen ihren Job gern zu machen. Mit jedem Projekt (BI I, II, III) nimmt der Erfahrungsschatz zu und so hoffen wir, daß das Dreieck Ökologie-Ökonimie-Soziales ausgeglichen und tragfähig ist.

noch mehr Natur

Eine Bootsfahrt im Tierschutzgebiet Caño Negro zeigt uns nochmal den Artenreichtum aus nächster Nähe. Wir hatten Glück, denn kaum hatten wir das Boot bestiegen, fing es an zu regnen. In unseren Breiten wäre ein Regenguss ärgerlich gewesen, hier jedoch sorgte er dafür, daß sich viele Tiere aus dem schützenden Dickicht wagten und wir Kaimane, Reiher, Eisvögel, Echsen und Affen vor die Linse bekamen. Diese Trophäen wollen wir Euch nicht vorenthalten. Das "Wappentier", den grünen Laubfrosch, sahen wir leider nicht. Zu erwähnen wäre noch das wahnsinnig lauten Zirpen der Grillen. Wenn sie mal angefangen haben, dann muß man schon richtig laut reden, um drüber zu sprechen.

Meer

Natürlich kann man Costa Rica auch als Badetraum bezeichnen. An der Pazifikküste verbrachten wir 3 Tage und genossen einerseits das kuschelig warme Wasser und andererseits auch hier wieder in den Nationalparks jede Menge großes und kleines Getier - ebenso wie ganz ungewöhnliche Pflanzen. Auch schnorcheln kann man hier - wir haben das vom Boot aus getan, sind aber auch selbst hinausgepaddelt mit dem Kajak. Wir als ungelernte Paddler haben uns anfänglich ziemlich schwer getan, die Richtung zu halten, aber am Ende haben auch wir wieder zum Strand gefunden. Ein kleines Andenken in Form eines kapitalen Sonnenbrandes auf den Füßen haben wir aber mitgenommen. Dank unseres Führers wissen wir aber jetzt, wie man Kokosnüsse ohne Werkzeug von ihrer äußeren Schale befreit, und sie - ebenfalls ohne Werkzeug - dann öffnet; mehr dazu im Video.

An der Pazifikküste ist das Klima natürlich etwas anders als im Landesinneren oder an der immer etwas windigeren Ostküste. Wenn an der Pazifikküste kein oder nur wenig Wind weht, wird es brüllend heiß, weil auch die Luft dort recht feucht ist. Von dem oben erwähnten Sonnenbrand abgesehen habe ich mir beim Laufen auf dem heißen Sand auch noch Brandblasen an den Zehen geholt. Und auch wenn man im Schatten sitzt: jede Bewegung wird sofort mit Schweißausbruch quittiert. Im Wasser oder in der Hängematte kann man es aber ganz gut aushalten.

Kulinarisches

In Costa Rica gibt es jede Menge frisches reifes leckeres Obst. Bei den dort vorherrschenden Temperaturen ist dieses, und die übliche Mischung aus Reis und schwarzen Bohnen auch ideal als Ernährung. Hühnchen- und Schweinefleisch gibt es natürlich auch, ebenso Rindfleisch, die Küche ist eher spanisch geprägt. Wer keinen Koriander mag, der muß höllisch aufpassen, denn viele Gerichte werden mit ihm gewürzt.

Aufpassen sollte man auch bei Getränken, die aus der Karaffe gereicht werden, denn selbst der süßeste direkt gepresste Obstsaft wird noch mit Zucker nachgesüßt. Für unsere Gaumen gerade zu grauenvoll süß. Frisch gepresster Zuckerrohrsaft hingegegen ist gar nicht so süß wie befürchtet und sogar ein bißchen aromatisch. Den Hang zum Zucker sieht man auch der Bevölkerung direkt an: insbesondere Frauen neigen hier zur Pummeligkeit, extrem Übergewichtige sind uns allerdings nicht aufgefallen.

Toiletten

Ganz anders als bei uns funktioniert in Costa Rica die Abwasserentsorgung. Rein äußerlich sind die Toiletten in den Hotels, Restaurants und auf den Fincas, die wir gesehen haben, nicht von unseren zu unterscheiden. Allerdings scheint es erhebliche Probleme in der Beseitigung zu geben. Deshalb wird man aller Orten aufgefordert, das benutzte Papier nicht mit wegzuspülen, sondern in einen daneben stehenden Eimer zu geben. Das erschien uns zunächst als merkwürdiger Beitrag zum Umweltschutz. Es ist aber auf Nachfragen durchaus ein ernst zu nehmendes Problem. Die Abwasserleitungen scheinen in sehr schlechtem Zustand zu sein, so daß sie durch das Papier verstopfen. Eine großflächige Kanalisation mit Klärwerken gibt es noch nicht, das erste Werk entsteht derzeit in San José. Also: Derzeit hilft es (noch), wenn man dort das benutzte Papier tatsächlich in den Eimer neben der Toilette wirft, auch wenn das für uns stark gewöhnungsbedürftig ist. Übrigens: Trotz dieser Sitte hat es nirgendwo übel gerochen!

Fazit

Ja, trotz der langen Anreise ist Costa Rica eine Reise wert. Aber bitte nicht nur zum Strandliegen. Wir hätten gerne einen oder zwei Strandtage entbehrt, um noch durch Nationalparks zu wandern. Eine gehörige Portion Fitness - insbesondere was den Kreislauf angeht - sollte man aber mitbringen, denn das Land ist voller Berge und Täler und bei hochsommerlichen Temperaturen und herbstlicher Luftfeuchte muß der Kreislauf zeigen, was er drauf hat. Und wenn man sich bei den reichlichen Pausen, in denen man sich das Wasser durch den Schlund laufen lässt, dann auch noch ruhig verhält, sieht man auch jede Menge für uns exotische Tiere und kann auf diese Weise auch das Land erkunden.

Billig ist das Vergnügen allerdings nicht: die Preise in Coste Rica sind eins-zu-eins mit Deutschland vergleichbar. In Costa Rica gibt es einen moderaten Wohlstand, der einerseits bezahlt werden will, andererseits auch eine angenehme Stabilität schafft und das Reisen dort sehr angenehm macht. Bliebe noch zu erwähnen, daß die Menschen dort ausnahmslos sehr freundlich und sehr entspannt sind. Die Landessprache ist spanisch und ein paar Brocken spanisch sollte man können, denn englische Sprachkenntnisse sind außerhalb der Städte eher selten anzutreffen. Da die Kultur aber nicht so weit von der europäischen entfernt ist, käme man notfalls auch mit Hand-und-Fuß durch.

Zuckerrohrpresse
Kochstelle
Faultier
Kolibri
Kuh vor Vulkan
Wanderweg
Blumen
Blüte
blauer Stromzähler
Küche
gelber Baum
Hütte
Brüllaffe
Albinobrüllaffe
fliegender Affe
Echse
Eisvogel
Fledermäuse
Vogelnest
Verkehrsmittel
Kaiman
Ananasblüte
Ananaspause
Zimmerpflanzen
Blüten
Rohr Leguan
Mischwaldplantage
Spinne
Python
Plantagen
Obststand
Videoverkäufer
Torte
Spinne
Kajak Pazifik
Papagei
Mastercard
Sonnenuntergang
 

Unser Urlaubsvideo (groß direkt bei Youtube)
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